Was bedeutet PFC-frei bei Deuter?

Wie geht eigentlich PFC-free?

Als Outdoor-Sportler wissen wir, wie viele schöne Plätze unsere Natur für uns bereithält. Wir bemühen uns diese so zu hinterlassen, wie wir sie vorfinden: ohne die Natur zu beschädigen, ohne Müll zu hinterlassen. Dabei tragen wir oft funktionelle Bekleidung oder Ausrüstung, die in der Vergangenheit mit  per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC)  wasser- und schmutzabweisend ausgerüstet wurden.

Durch das Tragen von PFC-haltigen Textilien haben wir kleinste Schadstoffpartikel in der ganzen Welt verteilt. Die Forschung hat festgestellt, dass sich diese Partikel negativ auf die Gesundheit von Mensch und Tier auswirken können und nicht mehr abbaubar sind. Aktuelle Untersuchungen haben ebenfalls gezeigt, dass die Schadstoffpartikel in der Umwelt mobil sind und sich beispielsweise über das Grundwasser verteilen. So haben Analysen von Greenpeace die Anwesenheit von PFC sogar in entlegensten Gebieten im vom südlichen Ozean bis in die Antarktis feststellen können.

Immer öfter liest man heute etwas über PFC freie Produkte. Doch wie kann man sichergehen, dass die Alternativen nicht genauso schädlich sind? Wie geht eigentlich umweltfreundliches PFC-free?
Wir haben unsere Corporate Responsibility Manager Anna und Marco gefragt, wie PFC-frei bei Deuter umgesetzt wird.

Deuter Corporate Responsibility Manager Anna und Marco.

1. Was bedeutet eigentlich PFC?

Die Stoffgruppe der PFC umfasst mehr als 3000 bekannte Stoffe. Chemisch gesehen bestehen die organischen Verbindungen aus Kohlenstoffketten verschiedener Längen, bei denen die Wasserstoffatome vollständig (perfluoriert) oder teilweise (polyfluoriert) durch Fluoratome ersetzt sind. PFC kommen nicht natürlich vor und sind die stabilsten bekannten chemischen Verbindungen. PFC, per- und polyfluorierte Chemikalien, sind umweltschädliche Substanzen, die unsere Natur und Gesundheit stark belasten.

2. Warum sind diese Stoffe so schädlich?

Gelangen sie einmal in die Umwelt, sind PFCs, je nach Kettenlänge, mehr oder weniger mobil und werden über Grund- und Oberflächenwasser global verteilt. Zudem sind diese Verbindungen persistent – also sind nicht oder nur teilweise degradierbar und bioaccumulativ, sie reichern sich also in Organismen an. Sogar in entlegenen Gebieten wie der Arktis und den dort lebenden Tieren werden diese Verbindungen gefunden. In der Landwirtschaft wird beispielsweise Klärschlamm, in dem sich PFC anreichern können, häufig als Bodenverbesserer benutzt. Dadurch gelangen die Chemikalien in das Grundwasser.

Der Mensch nimmt PFCs hauptsächlich über die Nahrung oder über verunreinigtes Trinkwasser auf. Auch erhöhte Konzentrationen von PFC in der Innenraumluft, beispielsweise durch Teppiche mit schmutzabweisender Funktion, tragen zur PFC-Belastung des Menschen bei. Bei vielen Lebewesen wirken sie auf das Hormonsystem und die Fortpflanzung, manche PFCs sind in erhöhten Konzentrationen krebserregend und deshalb gesetzlich reglementiert. PFCs können nicht abgebaut werden und bleiben deswegen in Mensch, Tier und Natur bestehen.

3. Warum waren und sind diese Stoffe in der Outdoor Branche von besonderer Bedeutung?

Die Chemikalien befinden sich aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften – wasser-, fett- und schmutzabweisend sowie chemisch und thermisch stabil – in vielen alltäglichen Produkten, wie Kochgeschirr, Papier, Pizzakartons oder Textilien. Auch Spezialanwendungen wie Hochleistungsfeuerlöschschäume funktionieren derzeit mit PFC. PFC-haltige DWRs waren auch in der Outdoor Branche ein beliebtes Mittel zur Imprägnierung von Textilien. Denn ohne die wasserabweisende Beschichtung würde sich das Material vollsaugen, nass und damit schwer werden.

PFCs werden für die Imprägnierung gerne in der Outdoor-Branche verwendet.

4. Welche Teile eines Rucksacks oder Schlafsacks wurden in der Vergangenheit mit PFC behandelt?

Um die schmutz-, fett- und wasserabweisende Eigenschaft unserer Produkte zu gewährleisten, haben wir bisher die Außenstoffe unserer Produkte mit einer PFC-haltigen Beschichtung imprägniert.

5. Welche PFC-freien Alternativen werden heute von Deuter genutzt?

Die von Deuter heute eingesetzte PFC freie Alternative weist Wasser und gängige Flüssigkeiten wie Fruchtsaft, heißen Kaffee und Rotwein effektiv ab.

Produkte ohne PFC erhalten dieses Label bei Deuter – mittlerweile wird nur noch PFC-frei produziert.

Sie eignet sich gut für eine Vielzahl von Oberflächen und ist ideal für leistungsstarke Outdoor- und Oberbekleidungsstoffe geeignet. Das neue Finish besteht zu 60 % aus nachwachsenden Rohstoffen, die aus verschiedenen pflanzlichen, nicht gentechnisch veränderten Quellen stammen. Dabei kommen keine pflanzlichen Bestandteile aus der Nahrungsmittelgewinnung zum Einsatz.

Die von uns verwendete DWR ist konform mit den Regulierungen der Zero Discharge of Hazardous Chemicals (ZDHC) und sind bluesign® approved sowie biologisch abbaubar.[1]

6. Seit 2020 sind alle Produkte von Deuter PFC-frei. Was bedeutet das?

Das heißt, dass wir bei der Produktion seit Mitte 2019 keine PFC-haltigen Chemikalien mehr einsetzen. Wir verwenden eine umweltfreundliche PFC-freie Imprägnierung, die unsere Umwelt und Gesundheit schützt – und das bei gleichbleibender Wasserabweisung.

Auch Deuter Schlafsäcke sind frei von PFC!

7. Welche Vor- und Nachteile ergeben sich durch die PFC-freie Imprägnierung im Vergleich zur Imprägnierung mit PFC? Ist mein Rucksack jetzt weniger wasserabweisend?

Nein, dein Rucksack ist genauso wasser- und schmutzabweisend wie zuvor. Allerdings sind fetthaltige Substanzen davon ausgeschlossen – diese Eigenschaft bieten aktuell nur PFC. Nach intensivem Gebrauch solltest du dein Produkt nach Anleitung reinigen und die Imprägnierung erneuern, damit es sich bei Regen nicht mit Wasser vollsaugt. Dafür gibt es im Handel PFC-freie Imprägniermittel.

Der Vorteil liegt natürlich auf der Hand: wir bieten unseren Kunden wasser- und schmutzabweisende Produkte, ohne dabei die Umwelt zu belasten.
Der Einsatz einer Regenhülle schützt bei Rucksäcken zusätzlich deinen Rucksackinhalt.

Deuter Rucksack-Fabrik

8. Wie lange hat es gedauert, bis Deuter PFC-frei wurde?

Im Zuge der von Greenpeace 2013 gestarteten „Detox“ Kampagne hat in der Outdoor Branche ein Umdenken stattgefunden. Auch bei Deuter. Der Umwelt zuliebe haben wir vor rund sechs Jahren beschlossen, alle Produkte ohne die kritischen PFC herzustellen. Dies stellte uns damals vor eine große Herausforderung – denn Alternativen waren rar. Zunächst haben wir den Kontakt zur Chemieindustrie (Hersteller der Imprägnierungen) ausgebaut und das interne Know-How zu dem Thema erweitert. Testreihen wurden gestartet und letztendlich eine sehr gut funktionierende Imprägnierung mit den gewünschten positiven Eigenschaften ermittelt. Danach folgte die Phase der Implementierung. Produktionsprozesse wurden umgestellt und Hersteller geschult. Seit 2017 wurden Schrittweise erste Produkte auf den Markt gebracht und nochmals Anpassungen vorgenommen. Letztendlich konnten wir 2019 auf alle eingesetzten Materialien skalieren. Mittlerweile sind auch die Stoffhersteller mit den Alternativen vertraut und die Qualität der Materialien ist konstant hoch. Allerdings sind Alternativen zu PFC noch immer teurer als die herkömmlichen Imprägnierungen: Bezieht man jedoch die Kosten für die Umwelteinflüsse in diese Rechnung ein, kann die Entscheidung nur Pro-PFC-frei ausfallen.

9. Was würdest du dir in Bezug auf PFC für die gesamte Outdoor Branche wünschen?

Die Umstellung auf PFC-freie Produktion muss weiter mit großen Schritten vorangetrieben werden. Die Zeit der Pionierleistungen für eine solche Umstellung ist vorüber und die Ausrede – es gäbe keine Alternativen – gilt nicht mehr. Dies ist auch aus Gesichtspunkten der Gesundheit und Sicherheit des Personals bei der Herstellung der Chemikalien und deren Einsatz zwingend notwendig.

Auch zum Schutz des Personals verwendet Deuter eine PFC-freie Imprägnierung!

10. Plant Deuter weitere Chemikalien aus der Produktion von Rucksäcken und Schlafsäcken mit Alternativen zu ersetzen? Wenn ja, welche und wie?

Mittelfristig werden wir die PU Beschichtungen auf unseren Stoffen mit einer umweltfreundlicheren Alternative aufbringen. Derzeit kommen dabei noch Lösungsmittel zum Einsatz. Allerdings testen wir bereits heute wasserbasierte PU (polyurethane) Lösungen – was bisher noch recht schwierig in Kombination mit unserer PFC-freien DWR ist. Die Haltbarkeit dieser PU Beschichtung ist ebenfalls noch nicht vergleichbar mit lösungsmittelbasierten PU Beschichtungen. Glücklicherweise ist hier die Umstellung nicht ganz so kritisch zu sehen wie seinerzeit der Umstieg zu PFC-freien DWRs.

11. Was kann der Verbraucher tun, um eine weiter voranschreitende Verbreitung von PFC zu verhindern?

Beim Kauf neuer Produkte, kann jeder darauf achten, dass diese frei von PFC sind! Hersteller loben dies auch – allerdings nicht in allen Anwendungen. Bei Outdoor Produkten ist das jedoch zumeist der Fall.
Sich zu informieren ist immer die Voraussetzung, um die richtige Kaufentscheidung zu treffen!

 

[1] Biodegradability Zahn-Wellens Test : 100 % OECD Test Guideline 302B Inherently biodegradable