Mit Kleinkind in die Berge – Die häufigsten Fragen

Wandern mit Kind: Ab wann, wie lange und was muss mit?

Mit dem Kleinkind in die Berge zu gehen ist für viele junge Eltern eine Selbstverständlichkeit. Bewegung in der Natur ist schließlich gesund, macht Spaß und fördert die Bindung. Wenn man einige Dinge beachtet wie die richtige Ausrüstung und durchdachte Tourenwahl, steht der Freude an der Bergwelt nichts im Wege. Hier beantworten der Kinderarzt Dr. Micha Bahr und die Berg- und Skiführerin Heidi Harder die häufigsten Fragen rund um das Thema Wandern mit Kind.

Ab wann darf mein Kind in die Kraxe?

Dr. Micha Bahr, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie im Klinikum Ingolstadt erklärt, dass Kinder selbstständig frei sitzen können müssen und eine gute Kopfkontrolle haben sollen, um sicher in einer Kindertrage unterwegs zu sein. Dies ist ungefähr ab dem achten Monat der Fall, wobei sich jedes Kind anders entwickelt. Deshalb sollte man sich am jeweils individuellen Entwicklungsstand des Kindes orientieren.

Heidi mit Tochter Neomi. Die Bergführerin trägt die speziell für Frauen konzipierte Kid Comfort Active SL.

Wie lange soll eine Wanderung dauern?

Auch sportlich trainierte Eltern sollten zunächst mit einer kleineren Tour anfangen, damit sich das Kind an die Trage gewöhnen kann. Die schaukelnden Bewegungen in der Kindertrage stimulieren den Gleichgewichtssinn des Kindes. Es erfährt das Gelände und dessen Unebenheiten auch in der Kraxe und muss diese Bewegungen ständig mit dem Gleichgewichtsorgan und seiner Muskulatur ausbalancieren. Das ist für kleine Kinder sehr anstrengend und darf nicht unterschätzt werden. Das Kind sitzt in der Trage auch höher und kann so seine Umgebung auf ganz neue Art und Weise wahrnehmen. Diese ungewohnten Einflüsse können gerade bei den ersten Unternehmungen mit Kraxe spannend und damit anstrengend für das Kind sein. Deshalb lieber mit kürzeren Touren beginnen und stets darauf achten, wie sich das Kind fühlt.

Auch Mama und Papa sollten sich auf einer leichten Tour an die ungewohnte Gewichtsverteilung einstellen. Je nach Alter des Kindes kann es einen auch mal aus der Balance bringen, wenn der Sprössling in der Kindertrage hin- und herschaukelt oder sich das Kleine nach interessanten Dingen umdreht. Das „Anziehen“ einer Kindertrage mit Kind und Ausrüstung kann am Anfang auch etwas ungewohnt sein und sollte geübt werden. Damit sich Träger und Kind an die Kraxe gewöhnen können sind deshalb ein paar kürzere Wanderung zu Beginn der gemeinsamen Bergabenteuer sehr zu empfehlen.

Das Aufsetzen einer Kindertrage sollte man zuhause üben.

Was packe ich ein?

Bei der Wahl der Ausrüstung sollte man unbedingt auf geringes Gewicht achten. Der Spruch: „So viel wie nötig, so wenig wie möglich“ ist bei Wanderungen mit Kind aber leider gar nicht so leicht umzusetzen. Ausreichend Wasser für Träger und Kind sind selbstverständlich. Je länger, höher, und steiler eine Tour, desto mehr Flüssigkeit benötigt der Körper. Gesunde Snacks, die dem Alter des Kindes entsprechen, gehören ebenso dazu. Die Eltern sollte auch an sich denken und nährstoffreiche Kost dabei haben wie Nüsse, Trockenfrüchte oder Bananen. Auch die gängige Grundausrüstung zum Wandern gehört in die Kraxe: Stirnlampe, Erste-Hilfe-Set, Taschenmesser, Telefon für Notrufe, Regenbekleidung, wärmende Jacke.

Zusätzlich zu Proviant und Ausrüstung für den Träger gehören Ersatzbekleidung und ausreichend frische Windeln für das Kind mit in die Kindertrage. Achtung: Windeln müssen immer mitgenommen werden und dürfen nicht in der Natur „entsorgt“ werden! Eine dichte, ausreichend große Plastiktüte mit Verschluss leistet gute Dienste beim Transport von vollen Windeln zurück ins Tal. Unbedingt auch warme Kleidung und eine Mütze einpacken, da Kinder in der Kraxe nicht von der Körperwärme des tragenden Elternteils warmgehalten werden. Sehr praktisch sind kleine Beinstutzen für Kinder, da die Hosenbeine beim Sitzen in der Kraxe oft hochrutschen und die Unterschenkel schnell kalt werden können. Auch an den Sonnenschutz (Hut, Sonnenbrille, Creme) und Regenschutz muss gedacht werden. Dazu gehört auch ein Sonnendach und eine Regenhülle für die Kindertrage, sofern diese nicht im Modell integriert sind. Natürlich muss auch das Lieblingsstofftier mit und Entdeckerausrüstung wie eine kleine Becherlupe.

Im Video erklärt die staatlich geprüfte Berg- und Skiführerin Heidi Harder, was man auf eine Tageswanderung einpacken muss und wie man das Gepäck am besten in der Trage verteilt.

Im Interview erklärt Heidi, was man für eine Wanderung mit Kind einpacken sollte.