Alle Wetter in Schottland – Tipps zum Trekking von Ana Zirner

Gerade das unstete Wetter macht Schottland so reizvoll.

Schroffe Berglandschaften und wechselhaftes Wetter – ein Paradies zum Campen

Gastbeitrag von Ana Zirner, Mitglied der Deuter Alpine Family: Profil / Anas Blog

Schottland. Da denkt man an weite, wilde Landschaften, an zottelige Hochlandrinder, an Whiskey und Männer in Schottenröcken. Und natürlich an das unbeständige Wetter.

Gerade Letzteres – das beim Reisen manchmal eine wahre Herausforderung ist – macht die Schönheit des Landes aus. Das Licht, das sich ständig ändert, wenn es durch die ziehenden Wolken dringt, im Regen reflektiert oder sich an den vielen verschiedenen Oberflächen der Landschaft bricht. Die frische Luft, die oft noch vom letzten Regen dampft, der Wind, der die Haare zerzaust und das Wasser, das überall plätschert oder still und dunkel ruht.

Sonne nach dem Regen: Ana genießt die schottischen Sonnenstrahlen in frisch gewaschener Luft.

Trekking ist sicher eine der schönsten Möglichkeiten, sich durch dieses Land zu bewegen, weil man dabei der Natur so nahe ist. Wer sich auf die Reise nach Schottland begibt, darf natürlich nicht aus Zucker sein und auch die Ausrüstung sollte Wind und Wetter aushalten. Das A und O ist ein guter Rucksack, der sich über lange Zeit bequem tragen lässt. Hier findet ihr einen Überblick über die Deuter Trekkingrucksäcke.

Übernachten: Welche Möglichkeiten gibt es?

Was das Reisen in Schottland so unkompliziert macht: Es ist erlaubt wild zu campen, solange bestimmte Regeln eingehalten werden. Diese sind im Scottish Outdoor Access Code festgehalten und beinhalten vor allem, dass man keinen Müll oder sonstige Spuren hinterlässt. In Schottland gilt ein besonderes Gesetz, nämlich das Right to Roam, auch als Jedermannsrecht bekannt. Es gesteht jedem Menschen im Rahmen der Freizeit zu, die Wildnis und auch einen Teil des privaten Landeigentums frei zu nutzen. Das schließt unter Bedingungen der Sicherheit und des Umweltschutzes auch das Campen und sogar das Feuermachen mit ein. Was das genau bedeutet, definiert ScotWays.

Unter freiem Himmel: In Schottland dank des Jedermannsrecht möglich.

Es regnet im Schnitt 15 bis 20 Tage im Monat. Na und!

Nur mit dem Zelt zu reisen, kann bei Dauerregen schnell unangenehm werden. Dafür bietet Schottland die perfekte Lösung: Man kann das Zelten wunderbar mit Nächten in lauschigen Bed & Breakfasts kombinieren. Außerdem gibt es die Möglichkeit im einfachen Bunkhouse Unterschlupf zu finden.

Beliebt sind auch die Bothies, lokale unbewirtschaftete Schutzhütten, in denen sich Wanderer jederzeit und kostenlos ausruhen dürfen. Die Bothies liegen häufig an sehr schönen Orten. Einen Überblick über die Standorte vermittelt beispielsweise die Karte der Mountain Bothies Association. Wie in den Alpen muss man sich bezüglich der Platzeinteilung vor Ort untereinander arrangieren.

Trekking: Die schönsten Weitwanderungen

Wer mehrere Tage unterwegs sein will, für den bieten sich die ausgeschriebenen Trekkingtouren an. Der West Highland Way ist dabei die bekannteste Route. In acht Tagesetappen und 154 Kilometern reicht diese Strecke von Milngavie bei Glasgow nach Fort William. Der West Highland Way führt über Berge und durch Täler, vorbei an einigen „Lochs“, den lokalen Seen, und über moorige Wiesen.

Eine weitere Möglichkeit ist der Great Glen Way, der von Fort William aus in 117 Kilometern einmal diagonal das Land quert und bis nach Inverness reicht. Das Besondere an dieser Route ist, dass sie fast ausschließlich entlang des Wassers geht. Zunächst am Loch Lochy, dann am Loch Oich und schließlich am bekannt Loch Ness. Insgesamt ist die Route flach und daher besonders für Einsteiger geeignet.

Insel-Hopping vom Feinsten

Zu Schottland zählen rund 790 Inseln. Natürlich sind auch diese eine Reise wert. Auf der Insel Skye kann man zum Beispiel den Skye Trail gehen, der an der Nordspitze beginnt und an der Ostküste entlang bis zum südlichen Ende von Skye verläuft. Diese Tour ist 128 Kilometer lang und nicht durchgehend markiert. Oft muss man über offenes Gelände gehen. Vermutlich ist sie die abwechslungsreichste der populären Routen.

Ein Großteil der Route verläuft oben auf der Trotternish Ridge. Diese zählt zu den schönsten und eindrucksvollsten Höhenzügen in ganz Großbritannien. Ein Highlight der Strecke ist die 48 Meter hohe Felsnadel des Old Man of Storr.

Der „Old Man of Storr“ wacht über das Land.

Für die anspruchsvollen Trekker unter euch!

Als Tagestouren bieten sich Ziele wie der Ben Nevis an, der bekannteste und höchste Gipfel Schottlands (1345 m). Besonders die Besteigung von Süden aus, über die East Ridge und den Càrn Dearg ist wunderschön, technisch etwas anspruchsvoller sowie kürzer als der touristische und vielbegangene „Pony Track“. Die Aussicht ist jedoch nicht an allen Tagen berauschend, denn an knapp 300 Tagen ist der Ben Nevis von Nebel und Regen umgeben.

Wer es anspruchsvoll mag, sollte die Torridon Range nicht verpassen. Einige der Berge zählen dort sogar zu den ältesten der Welt. Gipfel wie der Beinn Eighe, Beinn Aligin und Beinn Dearg bieten bei guten Bedingungen einen wunderschönen Rundblick.

Ein Genuss für Outdoor- und Whisky-Liebhaber

Wenn man dann mal keine Lust mehr auf Trekking hat, gibt es weitere Möglichkeiten sich draußen zu bewegen. Die Angebote reichen von See-Kajaken und Rafting, über Biken und Wandern bis hin zum Canyoning und Klettern.

Außerdem lohnt sich der Besuch in einer Brennerei (Distillerie), besonders, wenn man edle Whiskeytropfen schätzt. Dort werden Whiskey-Tastings angeboten, also auch dort kommt man nicht trockenen Fußes heraus…

Geheimtipp: Die Feinkostmanufaktur von Shieldaig

In dem verschlafenen kleinen Dorf Shieldaig, das direkt am Loch Torridon liegt, befindet sich eine wahre Schatzkiste. Sie steht direkt vor dem Haus von „Solas Bed & Breakfast“, in der Straße am See (Baile Shuas). In der Kiste befinden sich frische Pastries, Quiches, Brot, verschiedene Marmeladen und Chutneys. Verantwortlich für die Schätze ist Little Swallow Foods, eine kleine Manufaktur für lokale Lebensmittel.

Die Schmankerln werden täglich frisch in die Box gelegt. Auf Vertrauensbasis wird das Geld für die Lebensmittel einfach in die „Honestybox“ geworfen. Besonders ist zudem, dass der Kreateur der Köstlichkeiten auf den Labels vermerkt, welche Musik er bei der Herstellung der jeweiligen Produkte gehört hat. Und so schmeckt es dann auch besonders tiefgründig, wenn man in den Tom-Waits-Flapjack beißt, während es einem den Regen um die Ohren peitscht. Köstlich.

Schottland ist ein bisschen wie diese Box und ihr Inhalt: Ehrlich, überaus freundlich, ein bisschen schräg, wie die Tomatenmarmelade, ziemlich saftig, wie die Fudge-Brownies und ähnlich kernig wie das frische und leckere Brot.