Oberreintal: Ein Kletter Klassiker über Garmisch

Foto: Martin Oswald

Im Oberreintal verbirgt sich ein wahres Kletterparadies. Routen von Genusskletterei im vierten bis fünften Grad bis zu Sportkletterrouten im neunten Grad finden sich hier. Als Stützpunkt und Übernachtungsmöglichkeit dient die Oberreintalhütte. Warum man so eine Hütte in den Alpen kaum mehr finden kann und was sie und das Oberreintal so besonders macht – das erfährst du hier.

Unsere Kletterer Bernd Kullmann und Martin Oswald nehmen uns heute mit auf ihre Tour. Sie starten in Garmisch und haben sich wohl einen der beeindruckensten Gipfel im Oberreintal vorgenommen –  den Oberreintaldom.

Bernd Kullmann ist unser Deuter Urgestein, der ehemalige Geschäftsführer ist überall dort zu finden, wo man klettern, biken und Skitouren gehen kann. Foto: Klaus Fengler.

7 Uhr, Parkplatz Skistadion in Garmisch.  Startpunkt der Tour ist das Skistadion in Garmisch. Los geht es mit den E-Bikes. Die üblichen Touristen an der Partnachklamm lassen wir  gleich zu Beginn hinter uns. Die E-Bikes erleichtern den ersten Teil des Hüttenaufstiegs und ersparen uns jede Menge Zeit. Bereits nach 30 min erreichen wir die Abzweigung ins Oberreintal. Zu Fuß würde man etwa zwei Stunden bis zur Abzweigung benötigen. Dabei überholen wir zahllose Zugspitz Aspiranten. Es wird deutlich, dass das Wandern seit Corona nochmal viel beliebter geworden ist. Martin war Miterschliesser der meisten Neutouren im Oberreintal über das letzte Jahrzehnt. Auch das heutige Ziel, „Rock me Amadeus“, wurde von ihm und Andi Schaumann erst letztes Jahr fertig gestellt.

Hier findest du alle Details zum Zustieg:

Nach endlosen Serpentinen erreichen wir noch halbwegs früh die Oberreintalhütte: Ein legendärer Stützpunkt für Kletterer. Die Zeit scheint hier oben stehen geblieben zu sein und auch von den Touristen im Tal ist hier keine Spur mehr zu sehen. 49 Jahre ist es her, dass ich (Bernd) das erste Mal hier oben war. Doch dazu später mehr.

Sportlich hat sich dagegen in den letzten Jahren viel getan: Nach dem Startschuss Anfang der 80er Jahre mit Routen wie dem Sommernachtstraum und Rumpelröschen gibt es heute Sportkletterrouten bis zum neunten Grad. Nur Plaisier Kletterer werden nicht auf ihre Kosten kommen, denn meistens ist Wegsteigen von den Haken und zusätzliches mobiles Absichern angesagt.

Bernd an der Oberreintaldom Nordwand. Foto: Martin Oswald

Die Rucksäcke bleiben bei der Hütte. Am liebsten habe ich den leichten Guide Lite 30 + dabei. Wir nehmen die Seile auf den Rücken, das „Klettergraffel“ an den Gurt und ab geht’s in die Domrinne. Seilfrei steigen wir im 2ten und 3ten Grad die Rinne hoch. Hier ist Trittsicherheit gefragt: Der Fels ist hier „alpin“ und nicht alles ist fest, ein Rutscher hätte fatale Folgen.

Um 10 Uhr steigt Martin dann in die erste Seillänge ein. Wir klettern Überschlag, denn wir sind gut aufeinander eingespielt. Kommt der Nachsteiger zum Stand, übernimmt er die Führung, denn das spart Zeit und jeder hat den Flow beim Vorstieg.

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Mit jedem Meter wird der Fels besser: Bombenfest, wasserzerfressen, unverschämt griffig und steil – Domfels eben. Wir klettern bei der Tour nicht am Limit und können so Meter für Meter genießen. Gegen 13 Uhr sitzen wir endlich zusammen oben am Grat in der Sonne. Obwohl es in Garmisch sehr heiß ist, genießen wir hier oben angenehme Temperaturen. Eine kleine Pause ist auf jeden Fall zu empfehlen, denn die Tour ist hier noch längst nicht zu Ende. Der Abstieg vom Dom ist anspruchsvoll: abseilen und immer wieder abklettern ist angesagt.

Berghütte
Die traditionsreiche Oberreintalhütte gilt seit Jahrzehnten als Stützpunkt und Anlaufstelle für alle Routen im Oberreintal. Foto: Martin Oswald

Zwei Stunden später sitzen wir vor der Hütte im schönsten Biergarten Bayerns. Mit einer kühlen Russenmaß vor uns auf den Holzbänken unter dem uralten Ahornaum könnte es nicht schöner sein.

Vor 20 Jahren hat Hans, der Wirt im Oberreintal, seinen Job als Ingeneur und Bauleiter an den Nagel gehängt und gegen den schönsten Arbeitsplatz im Werdenfels getauscht. Der Panoramablick auf das Halbrund an Kletterbrocken ist einzigartig: Zundernkopf, Oberreintalturm, Schüsselkarturm, Berggeistturm und der wohl eindrucksvollste von allen, der Dom, bieten eine einmalige Bergkulisse.

An der Hütte trifft man mit großer Gewissheit auf weitere Kletterer, eher selten verirrt sich ein Wanderer hier rauf. Als reine Selbstversorgerhütte gibt’s hier nur Getränke, Verpflegung muss man selbst mitbringen. Aber genau das wahrt auch den urigen Charakter der Hütte.

Nach der Erfrischung und der Pause beim Hüttenwirt machen wir uns wieder an den Abstieg. „Spaß hat’s gemacht!“, sind wir uns einig. Dabei ist uns sofort klar: wir waren heute bestimmt nicht das letzte Mal zusammen klettern und bestimmt auch nicht das letzte Mal im Oberreintal.

Das Wichtigste in Kürze:
Ausgangspunkt: Garmisch Partenkirchen, Skistadion, 700m

Stützpunkt: Oberreintalhütte, ca 1.400 m, zu Fuß in ca. 3 Stunden durch die Partnachklamm und entlang des Weges zur Reintalangerhütte, kurz vor der Bückhütte links ab auf dem Schachenweg und über die Serpentinen zur Hütte. Mithilfe des E-Bikes erreicht man die Hütte in ca. 2 Stunden.
Bitte beachtet beim Besuch der Oberreintalhütte die aktuellen Hüttenregeln!

Tour: Oberreintaldom N – Wand, Route „Rock me Amadeus“ , 10 Seillängen, durchgehend im 7. Grad, letzte SL 7+/8- . Meistens bombenfester, genialer Fels.

Zustieg über die Domrinne, Schrofen und leichte Kletterei in nicht immer festem Fels. Achtung Absturzgelände!

Der Abstieg ist alpin, neben den Abseilstellen muss immer wieder im 2. und 3. Grad abgeklettert werden.