Interview mit dem Extrembergsteiger Kazuya Hiraide

Deuter Botschafter aus Leidenschaft

„Ich wollte eine Linie in einer Wand finden, die noch nie zuvor durchstiegen wurde. Ich fing an, indem ich mehrere Karten nebeneinander an die Wand hing, Karten so groß wie Tatami-Matten. Dann ging ich auf Reisen. Ich begann, Wände zu durchsteigen, die erst noch entdeckt werden mussten und unbekannte Gipfel zu erklimmen. Und auf dem Berg trug ich immer einen Deuter auf meinem Rücken.“ – Kazuya Hiraide

Kazuya Hiraide gilt als einer der besten Extrembergsteiger der Gegenwart. Jetzt wurden er und sein Bergpartner Kenro Nakajima mit dem Piolet d’Or ausgezeichnet. Der „Goldene Eispickel“ ist die höchste Auszeichnung für Alpinisten. Den beiden Athleten wird die Ehrung für die Besteigung des Shispare (7.611 m) in Pakistan über die Nordostwand zuteil.

Der Japaner wird von Deuter bei seinen Expeditionen ausgestattet. Er wirkt aktiv in der Entwicklung der Rucksäcke mit. Im Interview erzählt er, wie sich diese Zusammenarbeit gestaltet.

Wie kam es zu deiner ersten Begegnung mit Deuter?

„Während meiner Expedition zum Namnani Peak (7.694 m) im Jahr 2011 trug ich zum ersten Mal einen Deuter. Es war eine harte Besteigung, bei der zuerst eine Route durch die Südwand gefunden werden musste, dann vom Südgipfel zum höchsten Gipfel hinübergewechselt wurde, um dann über die Nordwestseite des Berges abzusteigen. Doch auf meinen Rucksack war Verlass.

Letztes Jahr, während meiner Besteigung des Ama Dablam (6.856 m), musste ich per Helikopter gerettet werden. Bis zu diesem Zeitpunkt war es meine Absicht, Berge nur kraft meiner eigenen Fähigkeiten zu besteigen. Aber das war zu einer Gefahr für die Menschen um mich geworden. Diese Rettung war der Anlass, darüber nachzudenken, wie ich in Zukunft den Alpinismus für mich gestalten wollte. Für mich war dieser Moment ein Neuanfang wie auch ein Wendepunkt. Ich war froh, meine Zusammenarbeit mit Deuter gerade zu solch einem Zeitpunkt beginnen zu können.“

Was war dein erster Eindruck von Deuter?

„Ich war überrascht und froh, dass Deuter einem Bergsteigers aus einem fernen asiatischen Land Gehör schenkt! Der Expeditionsrucksack, den ich anfangs benutzte, war sehr gut ausgestattet. Trotzdem fragte ich bei Deuter an, ob sie nicht einen Rucksack schaffen könnten, der passender für mich war. Daraufhin produzierte Deuter einen Rucksack, der meine Anforderungen erfüllte, kaum dass ich von meiner nächsten Expedition zurückkam. Ich war von der Geschwindigkeit ihrer Reaktion begeistert und spürte ihre Hingabe als Hersteller. Das war der Moment, in dem ich beschloss, mit Deuter zusammenzuarbeiten.

Deuter hat mir nicht einfach nur einen perfekt ausgestatteten Rucksack zur Verfügung gestellt. Sie ließen mich meine Meinung äußern und hörten mir zu. Die Fachleute für die Produktion von Rucksäcken bezogen meine Gedanken in ihre weiteren Planungen ein und setzten meine Visionen in die Tat um. Ich war begeistert von dieser Art der Interaktion und spürte die Möglichkeiten für die Zukunft. Es fühlt sich an wie das Erlebnis, als Erster eine Route an einer noch unbegangenen Wand zu durchsteigen: Ein schöpferischer Akt.“

Was ist deiner Meinung nach wichtig bei einem Ausrüstungsgegenstand wie einem Rucksack?

„Das Packvolumen. Das ist vielleicht eine unerwartete Antwort, aber das Volumen ist wichtig. Mein Rucksack ist gepackt mit all den Dingen, die es mir ermöglichen, eine Besteigung durchzustehen und davon zurückzukehren. Beim Extrembergsteigen bewegen sich Menschen in Lebensräumen, in denen sie nicht überleben können. Auf dem Weg dorthin erbringen sie höchste Anstrengungen und ziehen den bestmöglichen Nutzen aus verschiedenen Hilfsmitteln. Daher ist es nötig, alle Dinge, die man braucht, zusammen in einem einzigen Rucksack verstauen zu können.

Wenn ich das Basislager verlasse und mich zum Gipfel aufmache, trage ich im Allgemeinen einen 45-Liter-Rucksack auf meinem Rücken. Ich habe mir diese Größe selbst ausgesucht. Ich bepacke die 45 Liter Stauraum mit all den Sachen, die mir helfen, eine Besteigung zu durchleben und davon zurückzukehren. Nachdem ich die Hilfsmittel ausgesucht hatte, die ich brauche, stellte ich fest, dass das Volumen des Rucksacks 45 Liter sein muss. Nicht mehr und nicht weniger.“

Über die mit dem Piolet d’Or ausgezeichnete Expedition

„Die Expedition der beiden Japaner ist ein Meisterwerk des modernen Alpinismus in großer Höhe. Sie zeichnet sich aus durch die Schönheit der Linie an einer bislang unberührten und unbezwungenen Flanke sowie durch die völlige Hingabe an einen extremen alpinen Aufstieg ergänzt durch die Gipfelüberquerung. Die Leistung ist auch Ausdruck von Beharrlichkeit: Seit 2007 hat Kazuya Hiraide den Gipfel bereits dreimal zu erklimmen versucht, einmal davon über diese Nordostwand. Für seinen vierten Versuch tat er sich mit seinem Landsmann Kenro Nakajima zusammen.

Im vergangenen Sommer herrschten im Hunza-Gebiet schlechte Bedingungen, und die Seilschaft musste während der fünf Aufstiegstage mit mit instabilem Wetter, starken Schneefällen und viel pulvrigem Neuschnee kämpfen. Mit dem Erreichen des Gipfels werden sie erst zur dritten Seilschaft, die diesen eleganten Pyramidengipfel im westlichen Karakorum erfolgreich erklomm. Der Abstieg, der auf dem ursprünglich deutsch-polnischen Weg von 1974 und entlang des Nordostgrats und des Nordsporns unternommen wurde, war von großer Komplexität. Mit einer anspruchsvollen Route und schlechten Sichtverhältnissen musste das japanische Team zwei weitere Tage kämpfen, um das Basislager wieder zu erreichen.“

Übersetzt von https://www.pioletsdor.net/index.php/en/home/2018-honoured-ascents, abgerufen am 12.09.2018.