Frauen im Bergsport – Revolution im Rock

Henriette d'Angeville Darstellung von Henriette d'Angeville bei der Überquerung einer Felsspalte. Credit: https://flic.kr/p/21Ekgh7

Die Geschichte starker Alpinistinnen

Frauen sind heute fester Bestandteil im Bergsport. Es ist kaum vorstellbar, dass Damen noch in den 20ern in schweren Wollröcken auf Berge gestiegen sind, weil Hosen unschicklich waren. Die sogenannten „Bloomers,“ Hosen für Frauen, waren eine kleine Revolution. Das erste Bergsportprodukt für Frauen, der Deuter „Damen Tauern“ Rucksack, war eine Sensation.

19. Jahrhundert: Frauen und Sport? Undenkbar!

Frauen sind aus dem Bergsport heute nicht mehr wegzudenken. Alleine in Deutschland sind 42 % der Mitglieder im DAV Frauen. In Österreich liegt ihr Anteil bei 44 %. Bei den Sportkletterern sind zum Beispiel 40 % Frauen. Weibliche Bergsportlerinnen erregen heute nur noch wenig Aufsehen. Vor nicht allzu langer Zeit war das noch anders. Völlig anders.

Im 19. Jahrhundert war es Frauen aus gehobenen Schichten noch verboten, sich sportlich zu betätigen da man befürchtet hat, es würde ihrer Fruchtbarkeit schädigen. Im späten 19. Jahrhundert war es Damen aus der Aristokratie dann gestattet, eine limitierte Auswahl an Sportarten zu betreiben. Dazu zählten Tennis, Krocket und Bogenschießen. Knöchellange Kleider mit Unterröcken, große Hüte und feine Handschuhe waren ihr Sportdress. Auch in der ersten modernen Olympiade im Jahre 1896 waren Frauen nicht dabei.

Die Sensation im Bergsport

Im Bergsport gab es 1808 die erste unerhörte Sensation, als Marie Paradis als erste Frau den französischen Mont Blanc bestieg. Wohlgemerkt in einem knöchellangen Wollkleid mit Unterrock, dünnen Schuhen und Schleier. Wobei hier gesagt werden muss, dass Paradis bei einigen Passagen von ihrem Begleiter getragen wurde. Als erste weibliche Bergsteigerin gilt Henriette d’Angeville, die 1838 als zweite Frau auf dem Mont Blanc stand. Sie ging den gesamten Weg selbst und trug eine skandalöse Pumphose unter mehreren wattierten Unterröcken und einem Überrock. Sie wurde zwar von Einigen gefeiert, erhielt jedoch mehr Kritik für ihre unschickliche Art, sich zu kleiden, als Lob für den sportlichen Erfolg. Nach dem Mont Blanc bestieg d‘Angeville über 20 weitere Berge.

Im Rock auf die höchsten Gipfel

Weibliche Bergsteigerinnen standen im 19. Jahrhundert vor denselben Gefahren und Herausforderungen wie ihre männlichen Kollegen. Sie mussten dies jedoch aufgrund von sozialen Konventionen in Bekleidung tun, die ihre Aufgabe noch schwieriger machte. Frauen, die Hosen trugen wurden teils von der Gesellschaft ausgeschlossen und teils sogar mit Geld- oder Gefängnisstrafen belangt.

Im späten 19. Jahrhundert trugen dann bereits einige Bergsportlerinnen die sogenannten „Bloomers.“ Diese weit geschnittenen, am Knöchel gerafften Hosen trugen Damen unter einem etwas gekürztem Rock. Sie galten als ein Symbol der weiblichen Befreiung und wurden als rebellisches Zeichen gegen die männliche Autorität kritisiert. Die Bloomers wurden später bis unter das Knie gekürzt und mit Kniestrümpfen kombiniert. Diese Form der Bekleidung wurde von Frauen für diverse Sportarten getragen wie Gymnastik oder eben auch Bergsport. Jedoch waren Kleider bis 1920 die übliche Form der weiblichen Kletterbekleidung, da sich Damen nicht der Kritik und gesellschaftlichen Ausgrenzung aussetzen wollten.

1838: Henriette d’Angeville in der von ihr entworfenen Bergbekleidung.

Den Rock stets im Rucksack dabei

1920 wurden dann Knickerbocker modern. Dieses Beinkleid wurde sowohl von Männern als auch von Frauen getragen. Letztere trugen sie unter ihrem Rock. Diesen verstauten sie jedoch beim Klettern in einem Rucksack und zogen ihn für Fotoaufnahmen oder aus Gründen der Schicklichkeit danach wieder an. Bereits in den 30ern sah dann die Bergbekleidung für Männer und Frauen annähernd gleich aus. Frauen wurden zwar weiterhin kritisiert und auch verpönt, wenn sie am Berg angetroffen wurden, aber ein Wandel war absehbar.

Bergsportprodukte für Frauen eine Seltenheit

Obwohl die Zahl der Frauen im Bergsport seitdem stetig angestiegen ist und auch ihre Sichtbarkeit in Publikationen großer wurde, dauerte es eine ganze Weile, bis Bergsportausrüster erkannten, dass Frauen eben keine kleinen Männer sind. Anatomische Unterschiede wurden spät erkannt, Bergsportprodukte wurden erst Ende der 50er speziell für Frauen produziert. Vorreiter war Deuter. 1959 bekam der klassische Bergrucksack „Tauern“ eine Damenvariante, den „Damen Tauern.“ Die Idee, ein Produkt auf den Markt zu bringen, dass sich speziell an der weiblichen Anatomie orientiert, war damals revolutionär! Deuter hat als erster Bergsportausrüster erkannt, dass Frauen ihren Platz in der Bergwelt haben.

1959: Historische Aufnahme des Damen-Tauern aus dem Deuter Archiv.

Erster Bergrucksack für Frauen

Der erste Deuter „Damen Tauern“ Bergrucksack war nur der Anfang. Heute sorgt ein Team aus Bergsportlerinnen und Designerinnen bei Deuter dafür, dass Frauen in jedem Outdoorsport den richtigen Rucksack finden. Und nicht nur Damen, sondern auch Menschen mit einem Körperbau, der von der Norm abweicht. Denn Deuter hat erkannt, dass jeder Körper individuell ist. Wie die Geschichte weitergeht, liest du hier.