Topkletterer Fabian Buhl: „Klettern bringt dich an deine Grenzen“

Vom Bouldern zum Klettern und weiter auf Expedition

Ein Gastbeitrag von Fabian Buhl der Deuter Alpine Family

 

„Kurz, komplex und schwer: das war genau meine Welt zu der Zeit, als ich nur boulderte. In den letzten Jahren habe ich allerdings viel Motivation und Zeit investiert, um mein Kletteruniversum zu erweitern und fokussierte mich zunehmend aufs Alpine. Es ist etwas komplett anderes als Bouldern – was mich daran besonders reizte.

Neue Herausforderungen beim Klettern

Da es etwas Neues für mich war, fing ich wieder fast bei null an und lernte mit jedem Tag dazu. Auch wenn in dieser Lernphase einiges schief ging, blieb mir meine Motivation stets erhalten: stetig besser und effizienter zu klettern.

Im Sommer und Winter 2016 hat mich das Soloklettern vollständig eingenommen. Ich habe versucht die Limits in dieser selten praktizierten Spielart ein wenig zu pushen. Wie beim Bouldern ließ mich ein Scheitern auch hier nicht verzweifeln. Im Gegenteil: Es war für mich ein Grund mein Solosystem zu verbessern.

Klettern bringt dich an deine Grenzen – physisch als auch mental

Das Seilmanagement und die ganze alpine Trickserei waren genau das wonach ich suchte. Ich kann mich stundenlang mit der kleinsten Perfektionierung beschäftigen. Es erfüllt mich mit Freude, ein Problem zu lösen und etwas zu perfektionieren – halbe Sachen haben mir noch nie getaugt. Ein Boulderproblem ist physisch sehr anspruchsvoll und auch mental sehr komplex aber irgendetwas fehlte mir beim Bouldern auf Dauer.

Auf meiner neuen Spielwiese, dem Alpinen, bringt mich die enorme Komplexität in der Organisation sowie der hohe physische Anspruch an meine Grenzen. Das gibt mir eine tiefe und langanhaltende Zufriedenheit.

Jeder trägt die Verantwortung für sein Handeln

Am meisten schätze ich, dass der Alpinismus einen krassen Gegensatz zu unserer Gesellschaft bietet: Zu oft versuchen wir uns gegen alles und jeden möglichen Umstand zu versichern, um Verantwortung über unser Handeln abzugeben. Beim Alpinklettern bist du hundertprozentig für dein Handeln selbst verantwortlich und musst mit den Folgen umgehen. Meistens recht schnell, sonst spürst die Auswirkungen, häufig stark zu deinen Ungunsten.

Dieser Punkt führt direkt zu meinem am meisten geschätzten Aspekt des Alpinkletterns – das absolute Vertrauen in den Kletterpartner. Er ist die einzige Versicherung und Unterstützung, die du während der langen und anstrengenden Tage am Berg hast. Vor allem wenn die geplante Linie konstant mit neuen Hürden aufwartet. Hier besteht nur ein starkes und vertrautes Team, in dem jeder sein Bestes gibt und positiv bleibt – mit dem nötigen Selbstvertrauen.

Klettern schweißt zusammen

Nachdem ich Alexander Hubers Route „Nirwana“ wiederholte, ging ich zu einem seiner Vorträge, wo wir ins Gespräch kamen. Kurz darauf flogen wir zusammen nach Südafrika, um eine Route erstzubegehen.

Seit diesem Trip sind wir oft zusammen unterwegs. Wir haben immer eine super Zeit zusammen – egal was passiert. Ganz nach dem Motto: „A bissl was geht allerweil“. So waren wir zusammen am Naranjo de Bulnes, in Taghia, in den Alpen und Patagonien.

Der nächste Schritt: Expedition nach Pakistan

Da Alexander genau weiß, dass ich mich im Alpinen weiter entwickeln möchte, beschlossen wir im Sommer 2018 auf Expedition zu fahren. Es stellte sich nur die Frage: wohin? Als Alexander im Vorjahr in Pakistan war, ist ihm eine gigantische Felskante aufgefallen, der vom Choktoi-Gletscher nach Norden aufragt. Wir wussten zwar, dass der Berg schon bestiegen wurde – unsere anvisierte Linie aber erstaunlicher Weise noch nicht.

Der Berg trägt den Namen Suma Brakk, was auf Urdu „drei Gipfel“ bedeutet. Amerikaner haben ihn nach der Erstbesteigung dann Choktoi Ri getauft, da er der höchste Gipfel der Choktoi Gruppe ist. Unser erklärtes Ziel war die 2200m Südkante, eine der bekanntesten Linien, die es im Choktoi Tal gibt.“