Eine Bike-Tour durch Pakistan – Jakob Breitwieser im Interview (Teil 2/2)

Biketour durch Pakistan

Jakob erzählt, wie er sich auf diese körperlich und psychisch anstrengende Tour vorbereitet hat, von tollen und grenzwertigen Erlebnissen.

  1. Wie lange wart ihr unterwegs und wie viele Höhenmeter habt ihr täglich zurückgelegt?

Wir waren insgesamt drei Wochen unterwegs. Zuerst mit dem Flieger nach Islamabad und dann weiter in den Norden Pakistans, nach Skardu. Von da aus ging es mit dem Jeep dann noch etwas weiter ins Karakorum hinein, bevor wird dann mit dem Rad bzw. zu Fuß weiter sind – 16 Tage insgesamt.

Da wir in der Höhe unterwegs waren, macht man gar nicht so viele Höhenmeter (hm) am Tag. 500 – 800 hm stehen für gewöhnlich auf dem Tagesplan. Als wir über den Pass sind, waren es allerdings deutlich über 1000 hm. Mit fast 25 Kilo Gepäck auf dem Buckel, Kletterei im vierten Grad und dem Produzieren von Fotos und Filmaufnahmen auf über 5500 m Meereshöhe haben wir für die gesamte Etappe 22 Stunden gebraucht. Da war man dann doch ganz froh, als man das Camp erreicht hatte.

Camp im Gebirge
Nach einer kräftezehrenden Tagesetappe entspannen sich Jakob und Gerhard im Camp. Immer mit dabei: eine traumhafte Bergkulisse.
  1. Wie bereitest du dich auf eine so große Tour vor?

Da ich wusste, dass ich mangels einer auf Radfahrer ausgelegten Infrastruktur recht viel mein Rad tragen werde, habe ich im Januar mit regelmäßigen Berglaufeinheiten begonnen. Langlaufen und Skitouren fiel leider flach, da ich mich beim Trail fahren an der Hand verletzt hatte. Aus Ausgleich bin ich dann ins Fitnessstudio, um Kniebeugen und Stabi-Training zu machen. Sobald die Hand wieder gehalten hat, habe ich natürlich möglichst viel auf dem Rad gesessen und dabei auch explizite Fahrtechnikeinheiten trainiert. Sobald es wettertechnisch ging, war ich beim Bikebergsteigen in den Alpen, um dort – also jetzt mal abgesehen von den grandiosen Bergerlebnissen mit meinen Kumpels – ganz spezifische Belastungen zu haben.

Nur Höhentraining bzw. Akklimatisieren hier in Europa war nicht wirklich möglich, abgesehen von ein paar Tagen mit Bergen über 2000 m.

Das alles klingt jetzt recht professionell, aber letztendlich mache ich immer nur das, worauf ich Lust habe. Ich nehme auch nie eine Uhr/Pulsmesser oder sonstiges mit, sondern trainiere nur nach Gefühl, Lust und Laune.

  1. Was hat dir auf eurer Tour am besten gefallen?

Ganz klar das Land mit seinen Einwohnern, kulturellen Erfahrungen und der unglaublich eindrucksvollen Landschaft! Zudem war unsere Reisegruppe mit Gerhard und Martin und den einheimischen Begleitern wirklich sehr angenehm. Wir hatten immer was zu lachen und haben uns prächtig verstanden. Keine Selbstverständlichkeit, wenn man einen so langen Zeitraum aufeinander hockt und dabei auch noch körperlich an die Grenzen gehen muss.

  1. Gutes Stichwort: An welcher Stelle seid ihr denn an eure Grenzen gekommen?

Gesundheitlich direkt am Anfang, da ich mir den Magen verdorben habe und ich direkt am ersten Tag der Tour krank im Zelt lag – unterbrochen nur von unzähligen Gängen aufs Klo… Das hat sich zwar nach einigen Tagen gebessert, aber macht das Akklimatisieren und Aufsteigen natürlich nicht angenehmer.

Der Tag über den Gondogoro La war körperlich und psychisch extrem anstrengend. Mit soviel Gewicht auf dem Rücken bin ich noch nie so lange und so technisch unterwegs gewesen – zumal schon gar nicht in so einer Höhe! Psychisch war es hart, da man am Ende dieser Tagestour über Gletschermuränen laufen musste und es recht schnell klar war, dass wir an diesem Tag nicht mehr radeln werden. Stattdessen stand wieder stundenlanges Radtragen auf dem Plan. Dafür konnten wir davor den K2 im Sonnenaufgang anschauen und sechs bis sieben Kilometer über blankes Eis abfahren, was wirklich genial war und jede Mühe wert!

Karakorum Gebirge
Die atemberaubende Aussicht auf die Bergwelten im Karakorum Gebirge waren die Anstrengung definitiv wert.
  1. Was hattest du alles im Rucksack mit dabei?

In meinem Trans Alpine hatte ich immer eine Daunenweste, eine Regenjacke, ein Stirnband, eine Lampe, ein Taschenmesser, eine Packung mit Eierwaffeln und Reparaturzeug fürs Bike (Schlauch, Pumpe, Minitool) mit dabei. Dank der gut durchdachten Fächeraufteilung sind die wichtigsten Dinge schnell zu erreichen. Damit lässt sich ein Platten im Handumdrehen beheben und die Tour zügig fortsetzen.

Dann natürlich noch Trinken und Essen. Es gab immer zwei Kartoffeln, etwas Chiapatti (Weißbrot), ein paar Nüsse, Mandeln und Rosinen sowie etwas Käse und Ei. Im Nachhinein weiß ich gar nicht, wie ich damit überhaupt solange unterwegs sein konnte… haha. Zum Trinken benutze ich eine Filterflasche, damit ich überall auffüllen kann.

Je höher wir gekommen sind, desto mehr warme Sachen sind dann in meinen Rucksack gewandert bzw. an den Körper. Für den Pass haben wir noch Steigeisen, Klettergurt und eine Seilklemme gebraucht. Das Bike haben wir für die Klettereinlagen auseinander gebaut und an unseren Rucksäcken festgebunden.

Wir hatten ja den Luxus, dass wir Porter (=Träger) dabei hatten, sodass wir immer mit einem Tagesrucksack unterwegs sein konnten. Die Jungs sind unglaublich fit und rennen in der Höhe rum, was für uns „Flachländler“ gerade zu Beginn unmöglich erscheint. Ohne die Porter wäre das alles gar nicht möglich gewesen, allein schon was die Verpflegung angeht.

Den ein oder anderen Platten schnell zu flicken gehört bei so einer Tour dazu.
  1. Was war das Wichtigste, was du im Rucksack dabei hattest?

Essen, Trinken und etwas Warmes zum Anziehen würde ich jetzt mal sagen.

  1. Worauf hättest du verzichten können?

Auf den verdorbenen Magen ;). An Material tatsächlich auf sehr wenig. Ich habe von vornherein darauf geachtet, nur sinnvolles bzw. notwendiges Zeug mitzunehmen. Das Einzige, was ich im Nachhinein nicht noch einmal mittragen würde, wäre mein Buch. Das war etwas überdimensioniert. Nächstes Mal würde ich hier ein elektronisches Kindle oder ähnliches einpacken, damit ich was zum Lesen habe und dennoch nicht zu viel schleppen muss.

  1. Welchen Rat würdest du jemandem mitgeben, der eine längere Tour mit dem Fahrrad machen möchte?

Es ist tatsächlich so, dass es mehr Spaß macht, je fitter man ist. Dann kann man mehr genießen und muss sich selber weniger schinden. Eine möglichst gute Vorbereitung ist also wichtig. Körperlich und auch im Internet, um zu wissen, was ungefähr auf einen zukommt.

Wenn es in ein etwas exotischeres Land geht, ist tatsächlich die Hygiene mitentscheidend. Krank irgendwo in einem pakistanischen Bergdorf herumzuliegen, bzw. sich angeschlagen dort herumzuschleppen, ist wirklich nicht besonders schön. Also wirklich die gängigen Tipps beachten – cook it, peel it or forgot it. Jedoch kann es einen trotz aller Vorsichtsmaßnahmen erwischen. Etwas Glück mitnehmen schadet also nie. Ist man in der Höhe unterwegs, sollte man sich hierzu ebenfalls unbedingt informieren! Außerdem empfehle ich gutes Equipment, einen funktionalen Rucksack, der bequem und sicher auf dem Rücken sitzt.

Sieh dir hier das  Video zum Pakistan Abenteuer von Jakob und Gerhard an! 

  1. Welche Tour steht als nächstes an?

Aktuell noch nichts Großes – als Radsportler bin ich ja eher an den Sommer gebunden. Das nächste Projekt ist gerade in der Planung, wird aber noch nicht verraten!

  1. Welche Fahrradtour ist momentan dein größter, noch nicht erfüllter Traum?

Ganz Mountainbiker-Klischee-mäßig: Kanada. Bisher hat immer die Zeit oder das Geld gefehlt. Allerdings steht Nordamerika ganz oben auf der Wunschliste und hoffentlich klappt das irgendwann.

Du möchtest noch mehr über die Pakistan Tour erfahren? Zum Reisebericht von Gerhard geht es hier entlang.