Kletterbegriffe einfach und schnell erklärt: von Sportklettern bis Mehrseillängen

Bigwall Klettern

Klettern am Felsen

Wer hätte es gedacht: Felsklettern bezeichnet man das Klettern am Felsen. Also draußen in der Natur und nicht in der Halle. Beim Felsklettern unterscheidet man unterschiedliche Kletterarten und innerhalb derer unterschiedliche Techniken und Begehungsarten.

Bigwall-Kletterer, die über mehrere Stunden oder Tage in der Wand unterwegs sind, holen das Equipment im Wallbag nach. Foto: Valentin Rapp

Was ist Alpinklettern?

So ist das Alpinklettern das Klettern im alpinen Kontext. Hier geht es nicht um Klettereien im Klettergarten, sondern um das Klettern über mehrere Seillängen (Mehrseillängen-Klettern) an einer höheren Wand in den Bergen. Beim reinen Alpinklettern findet man oft gemischte Qualitäten der Sicherungspunkte vor. Das bedeutet, es wechseln sich Bohrhaken, Normalhaken bzw. Schlaghaken und eigene Placements (Klemmgeräte wie Camalots, Friends und Klemmkeile) ab.

Was ist der Unterschied zwischen Alpinklettern und alpinem Sportklettern?

Auch alpines Sportklettern findet im alpinen Kontext statt, auch in Klettergärten. Während im klassischen alpinen Klettern oft das Bezwingen eines Berges im Vordergrund steht, geht es beim Sportklettern weitestgehend darum, Routen (oft an der eigenen Leistungsgrenze) zu bewältigen. Sportkletterrouten sind in der Regel viel kürzer und erstrecken sich oft nur über einen einzelnen Fels. Die Routen sind meistens mit fixen und in kurzen Abständen angebrachten Bohrhaken abgesichert.

Welche Techniken gibt es beim klettern?

Sowohl beim Alpin- als auch beim Sportklettern gibt es je nach Route unterschiedliche Techniken, diese zu begehen:

  • Alpin – Haken, Sicherungsgeräte, Bandschlingen werden nur zur Sicherung, nicht aber zur Fortbewegung genutzt.
  • Clean – Absicherung erfolgt nur mit mobilen Sicherungsgeräten. Nach dem Klettern wird die Route wieder in den natürlichen Zustand gebracht, also „gesäubert“ und nichts bleibt in der Wand zurück.
  • Technisch – alle technischen Hilfsmittel werden zur Fortbewegung benutzt.
  • Free Solo – ohne jegliche Sicherung und ohne Seil.

Was bedeutet Rotpunkt, Onsite, Flash, Speed beim klettern?

Und es werden unterschiedliche Begehungsarten einer Kletterroute unterschieden:

Rotpunkt – ist das freie Durchsteigen einer dem Kletterer bekannten Kletterroute (die Route darf von dem Kletterer vorher beliebig oft bereits geklettert worden sein) im Vorstieg (aller Seillängen) in einem Zug, wobei die Sicherungskette nicht belastet wird, also ohne Sturz, Ausruhen im Seil oder Hochziehen an Haken.

Flash – bezeichnet die Rotpunkt-Begehung einer dem Kletterer unbekannten Route im ersten Versuch, wobei dem Kletterer Informationen über die Route zur Verfügung stehen, die über allgemein bekannte Fakten wie z. B. Name, Schwierigkeitsgrad und Höhe hinausgehen.

Onsite – wird eine Begehung einer unbekannten Route im ersten Versuch bezeichnet, wobei der Kletterer außer den allgemein bekannten Fakten keine weiteren Informationen über die Route hat, insbesondere noch keinem anderen Kletterer in der Route zugesehen hat.

Speed – durchsteigen einer Route in möglichst kurzer Zeit.

Bouldern – Was ist der Unterschied zum Klettern?

Beim Bouldern erklimmst du kleinere Felsen ohne Seil, dafür wird die Landezone mit Crashpads ausgelegt. Foto: Jan Novak

Bouldern nennt man das Klettern ohne Kletterseil und Klettergurt an Felsblöcken, Felswänden oder auch an künstlichen Kletterwänden (Halle) bis zur Absprunghöhe. Absprunghöhe ist die Höhe, aus der noch ohne wesentliches Verletzungsrisiko von der Wand zum Boden abgesprungen werden kann. Damit fällt nicht nur die gesamte Sicherungstechnik und Angst vor dem Sturz weg, sondern auch das Sicherungsequipment. Statt Sicherungsgerät und Seil sichert beim Bouldern die Bouldermatte (engl. crashpad) und der Kletterpartner, der im Falle des Falles den Kletterer mit den Händen so steuert, dass er aufrecht auf den Füßen und auf der Bouldermatte landet.

Fairerweise muss man ergänzen, dass auch beim Bouldern Sturzangst aufkommen kann. Das ist gerade dann der Fall, wenn die Boulderwände hoch und das Vertrauen ins eigene Können und eventuell den Partner niedrig sind. Schön ist, dass man sich ganz langsam an sein persönliches Limit herantasten kann.

Klettern in der Halle

In der Natur des Namens liegt es, dass Hallenklettern oder Indoorklettern das Klettern in der Kletterhalle oder an Trainingswänden bezeichnet. Damit entfällt der „alpine Charakter“ und damit auch die Möglichkeit, Mehrseillängen klettern zu können. Dennoch steigt die Beliebtheit von Hallenklettern. Zwar gehen die meisten Hallenkletterer früher oder später auch zum Outdoorklettern über. Aber viele Outdoorkletterer nutzen auch die Kletterhalle v. a. im Winter als Trainingsplatz.

Was ist der Unterschied zwischen Bouldern in der Halle und am Felsen?

Das Bouldern in der Halle unterscheidet sich von dem am Felsen durch die künstlichen Griffe und farblich vorgegeben Routen, anhand derer die jeweilige Schwierigkeit vorgegeben ist. Und dass der Boden für einen weichen Fall mit dicken Matten ausgelegt ist.

Toprope oder Vorstieg – Was ist leichter zu klettern?

Toprope-Klettern ist die sicherste und am einfachsten zu lernende Art des Kletterns und Sicherns. Hier ist das Seil oben in einer Umlenkung eingehängt und der Partner sichert den Kletternden vom Boden aus. Vorstieg ist das Klettern mit Seilsicherung von unten. Das ist mit Sicherheit die physisch und psychisch anspruchsvollste gesicherte Begehung einer Kletterroute, da sowohl die Fallhöhe beim Sturz als auch der Kraftaufwand durch das Einhängen des Seils in die Zwischensicherungen größer ist als bei anderen Sicherungsarten.

Die unterschiedlichen Begehungsarten, die es in alpinen Kletterrouten gibt, können auch in der Halle wieder gefunden werden.

Was braucht man zum Klettern?

Die Chalk Bag gehört zur Grundausstattung beim klettern. Foto: Jan Novak

Die Grundausstattung fürs Klettern ist für den Anfang nicht viel. Das Wichtigste sind sicher passende Kletterschuhe. Wie das andere Equipment auch, kann man diese zwar häufig in den Kletterhallen leihen, aber den perfekten Sitz haben nur die eigenen. Neben den Schuhen ist auch ein passender Klettergurt essenziell. In der Regel werden beim Klettern Sitzgurte verwendet. Ganzkörpergurte und Kombigurte aus Brust und Sitzgurt kommen bevorzugt nur bei professionellen Anwendungen (Industrieklettern, Baumpflege etc.) und bei Kindern zum Einsatz.

In vielen Kletterhallen gibt es sogenannte Toprope-Automaten. Daran kann automatisch gesichert geklettert und auch automatisch abgelassen werden. Wer mit Seilpartner unterwegs ist, braucht ein Sicherungsgerät. Bei den Sicherungsgeräten bieten „Halbautomaten“ große Sicherheitsvorteile und sind deshalb eine klare Empfehlung für Einsteiger.

Die Länge des Seils ist abhängig davon, welche Route man klettern möchte. Foto: Jan Novak

Zur kompletten Kletterausrüstung gehört natürlich auch ein Seil. Da es unterschiedliche Seiltypen gibt, sollte beim Kauf darauf geachtet werden, ein „Einfachseil“ zu wählen. Die Länge des Seils ist abhängig davon, wo man klettern möchte. In den meisten Hallen genügt ein 50 m Seil. Dagegen sind gerade in modernen Outdoor-Sportklettergärten häufig Seillängen von 70 m oder mehr nötig.

Gerade in warmen Hallen und im Sommer am Felsen ist ein Magnesiumbeutel mit Füllung Gold wert. Schwitzige Hände können damit wirksam bekämpft und Griffe so besser gehalten werden. Magnesium gibt es lose, in Stoffbällen oder auch als Flüssigkeit. Letzteres dient den „Profis“ meist als Grundierung und wird vor dem Klettern aufgetragen.

Beim Klettern am Fels ergänzen sogenannte Expressschlingen das Klettersortiment. So nennt man die zwei Karabiner, die mit einer hochfesten Bandschlinge verbunden werden. Je ein Karabiner wird in den Bohrhaken an der Wand und einer ins Seil eingehängt.

Was braucht man zum Bouldern?

Die Liste der notwendigen Grundausstattung zum Bouldern in der Halle ist wirklich sehr überschaubar: Kletterschuhe und einen Magnesiumbeutel samt Magnesium. Das wars!

Eine gewisse Portion an Respekt und Mut darf natürlich auch nicht fehlen. Foto: Jan Novak

Es gibt spezielle Boulder Chalk Bags, die nicht am Körper getragen werden, sondern einfach auf die Matte gestellt werden können und mehr Fassungsvolumen haben. Häufig wird aber auch ein und derselbe Magnesiumbeutel fürs Klettern und Bouldern verwendet.

Beim Bouldern am Fels sorgen Bouldermatten (engl. crashpad) für eine weiche Landung und gehören damit zusätzlich zur Standard-Grundausstattung.

Welche Schwierigkeitsgrade gibt es beim klettern?

Oh ha, ein großes Thema! Denn Schwierigkeiten sind sehr subjektiv und je nach Klettergebiet unterschiedlich. Daher gibt es unterschiedliche Bewertungssysteme der Schwierigkeiten im Freiklettern und Bouldern. Den Bewertungsskalen liegen viele Faktoren und ein gemeinsamer Konsens zugrunde, um verlässliche Anhaltspunkt zu bieten, die die Wahl der Routen und Boulder im eigenen Leistungsbereich erleichtern. Die wohl am weitesten verbreiteten Schwierigkeitsskalen sind die UIAA-Skala, die französische Schwierigkeitsskala und die in Amerika verwendete Sierra-Skala. Dazu kommen weitere regionale Systeme und spezifische Boulder-Schwierigkeitsskalen wie die Fb (Fontainebleau)-Skala und die in USA verbreitete V (Vermin)-Skala.

Diese Tabelle verschafft einen Überblick über die verschiedenen Schwierigkeitsskalen international.

In der DACH-Region ist die Bewertung nach UIAA (Union Internationale des Associations d’Alpinisme) -Skala vor allem im alpinen Bereich verbreitet. Die Schwierigkeit steigt mit steigenden Zahlen. Ab Schwierigkeitsgrad V unterscheidet man zusätzlich in „glatt“, „-„ (einfach in dem angegebenen Grad) oder „+“ (schwer in dem angegebenen Grad).

 

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