Beim Profi-Slackliner Lukas Irmler geht’s hoch hinaus

Da wo es vielen schwindelig wird, fühlt er sich am wohlsten. Lukas Irmler ist professioneller Slackliner und liebt es in über 6000 Meter Höhe über eine nur 2,5 Zentimeter schmale Line zu balancieren. Ohne seine Slackline im Rucksack verlässt Lukas Irmler nicht mehr so schnell das Haus.

In einem kurzen Interview erzählt Lukas, wie er zum Slacklinen kam, was ihm am Slacklinen begeistert und seinem größten Angstmoment. Außerdem hat er ein paar Tipps gegen Höhenangst für euch!

  1. Wann hast du das Slacklinen begonnen und wie bist du dazu gekommen?
Seit 2005 steht Lukas fast regelmäßig auf der Slackline. Foto: Christian Spreitz

2005 habe ich es bei meinem Nachbarn im Garten gesehen, damals aber noch nicht für mich entdeckt. Ich fand es abgedreht und nach einigen Versuchen auch unmöglich. Vielleicht ein Jahr später hatten wir eine fest installierte Line hinter der Kletterhalle in Freising und dann versuchte ich es doch noch mal. Seither bin ich süchtig, süchtig nach der dynamischen Balance und den unbeschränkten Möglichkeiten auf der Line. Jeden Tag etwas Neues zu probieren treibt mich an!

 

  1. Was sind die drei wichtigsten Dinge, die ein Anfänger braucht, um Slacklinen zu lernen?

Ausdauer, Frustrationstoleranz und Spaß! Ehrlich! Es ist wirklich schwer bei den ersten Versuchen und man wird erst einmal viele Male scheitern bevor der erste Schritt gelingt, aber wenn einem die dynamische Balance Spaß macht wird man schnell Fortschritte sehen!

  1. Wie oft trainierst du pro Woche/am Tag und wie sieht dein Training aus?

Ich trainiere eigentlich jeden Tag – meistens sogar mehrmals. Morgens mache ich eigentlich jeden Tag eine Yoga Einheit – das kann mal eher aktive Erholung sein, aber auch ein kräftiges Workout werden, je nachdem was noch so ansteht. Dann versuche ich natürlich so oft wie möglich auf der Slackline zu trainieren. Tricks auf der Highline, Handstand und andere Übungen auf der Line im Garten oder Ausdauerläufe auf etwas längeren Slacklines – die Vielfalt meines Trainings auf der Line ist grenzenlos und richtet sich meistens nach den aktuell anstehenden Projekten und Zielen. Daneben gehe ich gern Klettern, Bergsteigen, Skitouren und neuerdings Surfen. Wenn dann noch Zeit bleibt jongliere ich und versuche immer wieder neue Sportarten auszuprobieren und mein Bewegungsspektrum zu erweitern.

Lukas trainiert jeden Tag – oft auch mehrmals. Das Foto zeigt übrigens nicht seine normale Trainingsumgebung, sondern wurde während der Corona Zeit aufgenommen. Foto: Lukas Barth
  1. Was fasziniert dich am Slacklinen?

Slacklinen eröffnet einem eine schier unendliche Vielfalt an neuen Herausforderungen. Man kann sich immer neue Tricks überlegen, immer längere Slacklines versuchen oder nach dem perfekten Highline Spot suchen. Ich liebe die Vielfalt und die verschiedenen Sportarten, wie Klettern, Wandern und Bergsteigen, welche alle teils notwendig sind, um die Plätze zu erreichen an denen man seine Line spannen will. Gerade diese Kombination aus mehren Aktivitäten macht für mich den Reiz aus.

  1. Wir bereitest du dich auf ein Slackline-Abenteuer vor?

Im Allgemeinen beginnt alles mit einer Idee. Ich sehe ein Bild von einer besonders coolen Felsstruktur oder einem Platz an dem man eine geniale Slackline spannen könnte. Dann muss ich zuerst einmal recherchieren und planen, ein Team zusammenstellen und den nötigen Support von Sponsoren und Partnern gewinnen. Als nächstes kommt der Zeitplan, das Training und die aktive Vorbereitung auf das neue Projekt. Wenn alles passt und das Wetter mitspielt läuft dann hoffentlich alles nach Plan! 🙂

Im Jahr 2017 war Lukas auf dieser unglaublichen Line in Australien unterwegs. Foto: Valentin Rapp
  1. Bist du schonmal schwer gestürzt? Gab es schonmal einen Moment, indem du richtig viel Angst bekommen hast?

Der wohl größte Angstmoment und sicherlich auch eine der gefährlichsten Situationen, in denen ich je war, war die längste Highline der Welt in Norwegen 2018. Dort war ich bei anfänglich leichtem Regen auf eine 2800m lange Slackline gestartet, doch bald wurde aus dem Regen ein Sturm. Heftigste Windböen drückten mich oft mehr als 50 Meter zur Seite oder senkten bzw. hoben mich um mehr als 20 Meter. Trotzdem musste ich aus eigener Kraft ans Ende der Slackline kommen. Das war wirklich hart am Limit und hat mir eine Heidenangst eingejagt. Ich war im wahrsten Sinne des Wortes „Heil froh am Leben zu sein“, als ich das Ende der Line erreichte.

  1. Gibt es etwas, was du beim Slacklinen bzw. in der Vorbereitung nicht noch einmal machen würdest?

Aus der Geschichte in Norwegen habe ich definitiv gelernt das Wetter nicht mehr zu unterschätzen und im Zweifelsfall noch konservativer zu planen. Auf langen Highlines ist man oft stundenlang unterwegs, da kann sich das Wetter häufig ändern und man ist diesen Umschwüngen oft gnadenlos ausgeliefert. Deswegen muss man wirklich gute Wettervorhersagen haben und genügend Zeit einplanen, um auch einmal alles um einen Tag zu verschieben. Hier ist Angst sicherlich angebracht und ein guter Ratgeber! Inzwischen würde ich lieber auf eine Chance verzichten, als mein Leben in Gefahr zu bringen.

  1. Was war dein bisher schönstes Erlebnis beim Slacklinen?

Es ist immer schwer für mich hier ein einzelnes Erlebnis zu nennen. Ich bin dankbar in den vergangenen Jahren so viele tolle Momente und Highlights erlebt zu haben. Ob Highlinen unter Nordlichtern in Norwegen, durch einen aktiven Vulkan in Peru auf fast 6000 m Höhe oder vor der unglaublichen Kulisse der Victoria Wasserfälle in Zimbabwe, es ist immer das gesamte Erlebnis der Reise und der individuellen Herausforderung des Projekts was für mich den Wert des Erlebten ausmacht.

  1. Gibt es ein Rezept gegen Höhenangst?

Das gibt es! Es heißt „Mut sich seiner Angst zu stellen“! Man überwindet die meisten „unnötigen“ Ängste durch Gewöhnung – sich immer wieder kontrolliert dieser Angst auszusetzen und positive Erfahrungen zu machen ist meiner Meinung nach das Patentrezept, um die Angst zu verringern und schlussendlich kontrollieren zu lernen. Angst ist ja nichts Schlechtes, im Gegenteil ist sie oft ein guter Ratgeber, nur darf man sie nicht zur Panik werden lassen, denn dann verliert man die Kontrolle und es wird gefährlich. Höhenangst ist eine tiefe Urangst in fast jedem von uns. Auch ich hatte zu Beginn große Höhenangst, aber ich habe mit den Jahren gelernt damit umzugehen und empfinde heutzutage größte Freude auf der Highline.

  1. Warum nimmst du einen Deuter Rucksack mit auf deinen Abenteuern?

Beim Highlinen müssen wir oft schwer tragen, durch schwieriges Terrain klettern und lange Zustiege bewältigen. Bei alledem ist ein guter Rucksack mit einem top Tragesystem unerlässlich und dein bester Freund. Mit den Rucksäcken von Deuter komme ich sicherer und vor allem fitter am Ort meiner Träume an und habe mehr Energie übrig für neue Highline Abenteuer.

Oft sind die Lines nur durch lange und beschwerliche Zustiege erreichbar. Wie gut, dass wir Lukas jetzt mit einem passenden Rucksack aushelfen können 🙂 Foto: Quirin Herterich
  1. Und was brauchst du, außer einem Rucksack, noch für deine Tour?

Natürlich meine Slackline – ohne die gehe ich auf keinen Berg ;P Es hängt ganz stark von dem Projekt ab was ich brauche, aber neben dem Rucksack ist meistens auch die Slackline dabei. Kletter-Equipment im Sommer, Skitouren-Ausrüstung im Winter, Verpflegung und häufig auch Campingausrüstung für längere Trips!

In einem kurzen Video stellt sich Lukas Irmler persönlich einmal vor:

 

Beitragsbild: Valentin Rapp