Baltic Sea Circle 2018 – Von Norwegen bis Estland

Teil 3: Von Norwegen über Russland ins Baltikum

Ein nebliger Morgen erwartete uns und mit ihm die große Distanz zum Nordkap. Dort angekommen gab sich der Ort ebenfalls neblig und kalt, was ein längeres Verweilen unmöglich machte. Kurzerhand fanden sich Mitstreiter, die ebenfalls Russland mit dem Ziel Murmansk im Auge hatten. In der Kolonne machten wir ordentlich Kilometer und peitschten durch die norwegische Lappenlandschaft.

Strömender Regen und Sturmböen begleiteten eine kurze Nacht, die mit einem anfangs leicht verärgerten, norwegischen Grundstückbesitzer endete. Der Mann gestikulierte wild und machte uns klar, wer hier der Boss ist. Wir konterten mit einer Kiste Bier und eroberten Helmers Herz.

Von Murmansk nach Sankt Petersburg: knapp 1.400 Kilometer

Interessehalber wählten wir die Route über Russland und nicht wie viele andere Teams über Finnland. Während der Rallye gab es viele Schätzungen zur langen Wartezeit an der Grenze. Ungefähr vier Stunden wurden prophezeit. Zusammen mit drei weiteren Teams kamen wir innerhalb von eineinhalb Stunden durch.

In Murmansk wartete schon wieder die Tagesaufgabe auf uns: den ersten nuklear betriebenen Eisbrecher mit dem Namen Lenin zu finden und damit ein Bild zu machen. Anschließend ging es weiter. Innerhalb von zwei Tagen fuhren wir nach Sankt Petersburg, dem Venedig des Nordens. Billiger Sprit, nette Russen und grandiose Landschaften versüßten die lange Strecke auf den gut ausgebauten Straßen. Nastrovje!

Ausgelassene Stimmung und monumentale Bauwerke. Willkommen in Sankt Petersburg.

Sankt Petersburg ist für uns der Geheimtipp unter den russischen Großstädten. Wer auf gutes Essen, bezahlbare Unterkünfte und nette Leute steht, dem sei diese schöne Stadt mit ihren Kanälen, monumentalen Bauwerken und Bars schwer ans Herz gelegt. Die Stimmung auf den Straßen war mehr als ausgelassen, was sicher auch am internationalen Publikum lag. Junge Mädchen auf Pferden trifft man hier genauso wie röhrende Testosteronkarossen. Dazwischen finden sich noch viele schöne alte Fassaden, die an vergangene ruhmreiche Zeiten erinnern.

Mit Flüssen und Kanälen geizt Sankt Petersburg ebenfalls nicht. Wo Wasser ist, gibt es zumindest immer die Möglichkeit mit einem Stand-Up Paddle Board die Umgebung zu erkunden. Gesagt, getan. Wir gingen aufs Wasser und beschränken uns auf die nicht so kontrollbehaftete Gegend außerhalb der FIFA Fan Area und verbrachten dort eine gute Stunde.

Wir residierten im Tschaikowski House, um unsere Akkus wieder aufzutanken. Nach zwei Tagen Städtetrip ging es zur Abwechslung zum Katharinen Palast (45 Minuten von St. Petersburg entfernt), wo wir den Nachbau des berühmten Bernsteinzimmers besichtigten.

Von Russland weiter nach Estland. Und unterwegs: Pasta auf der Motorhaube

Am Grenzübergang von Russland nach Estland erwartete uns eine kilometerlange Schlange. Die lange Wartezeit nutzten wir, um auf russischer Seite feinste Motorhaubenpasta zuzubereiten. Als wir die Grenze nach Estland passierten, fragte uns der Zöllner: „What happened to Germany at the WM?“ Wir wussten zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass Deutschland bei der WM ausgeschieden war. Schade. Zurück in der EU feierten wir erst einmal die unkomplizierte Grenzüberschreitung und das mobile Internet.

Die nächsten Etappen gingen Schlag auf Schlag durch unsere jungen und kleinen EU-Mitgliedsländer: Estland, Lettland, Litauen. In Raudzilla fand das zweite Teamtreffen statt. An der Partylocation erwartete uns gallischer Dorfflair mit Sauna und großen Tipi-Zelten.

Nahe Tallinn: Schwimmen im ehemaligen Gefängnis

Am nächsten Tag ging es nach Tallinn, die Hauptstadt von Estland. Wir schlenderten durch die schöne Altstadt. Schnell wurde uns klar, warum diese zum UNESCO Weltkulturerbe zählt: Hübsche Gässchen, Altbauten und sehr nette Einheimische. Im sommerlichen Outfit machten wir uns auf den Weg zu einem ehemaligen Gefängnis, welches von den Sowjets geflutet wurde und heute als Badesee dient. Hier springt man von den ehemaligen Gefängnis-Bauwerken ins Wasser oder bräunt sich vor Graffiti.

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