800 Kilometer, 5 Wochen, Tag und Nacht unter freiem Himmel

Von Meer zu Meer über die wilden Pyrenäen

„Im Sommer 2018 badete ich wie viele andere Urlauber im Mittelmeer. Ich sprang auch in die Wellen des Atlantiks. Aber den Weg zwischen diesen Meeren, den legte ich zu Fuß zurück: In 35 Tagen habe ich die Pyrenäen überquert.

Ich setzte damit meinen Weg durch das gebirgige Herz Europas fort. Von Ost nach West, wie die Bahn der Sonne. Sie wärmte mir morgens den Rücken und motivierte mich am Nachmittag weiterzugehen. Über etwa 800 Kilometern ging es durch teils wegloses Gelände, über Schneefelder und Gipfel, durch Scharten und Canyons. Hin und her zwischen Frankreich und Spanien, durch Teile von Katalonien, das Baskenland und die ‚Schweiz der Pyrenäen‘, Andorra.“

Eine Reflexion von Deuter Botschafterin Ana Zirner

„Intensiv, das beschreibt den Charakter der Pyrenäen ganz treffend. Sie sind viel ursprünglicher als die Alpen, weniger erschlossen und die Wege sind vielerorts kaum ausgebaut. So habe ich mir oft meine eigenen Wege gesucht, bin über riesige und teils steile Schneefelder und durch tiefe Stille gegangen. Außerhalb der Nationalparks ist das wilde Biwakieren oder Zelten noch fast überall erlaubt und es gibt viele offene kleine Hütten oder Unterstände, in denen man unterkommen kann.

Obwohl die Pyrenäen insgesamt weniger hoch sind als die Alpen – der Pico de Aneto ist mit 3.404 Metern der höchste Berg – wirkt die Landschaft vielerorts schon auf geringerer Höhe hochalpin. Vielleicht liegt das auch daran, dass die Massive größtenteils aus Granit bestehen, obwohl hier auch der höchsten Kalksteinberg Europas, der Monte Perdido (3355 m) liegt. Vielleicht war aber auch das Jahr 2018 besonders, denn nach dem starken Winter lag auch im August noch viel Schnee.

Nicht nur der häufige Wechsel zwischen den Ländern hat mich oft über Grenzen nachdenken lassen. Die Pyrenäen haben mich auf andere Weise gefordert als die Alpen, und ich ahne, dass es mir mit jedem weiteren Gebirge, das ich noch entdecke, ähnlich gehen wird. Man sagt, dass man mit jedem neu entdeckten Gebirge als Bergsteiger*in von vorne anfängt. Daran musste ich unterwegs immer wieder denken. Denn das bedeutet für mich auch, dass jeweils neue persönliche Prozesse ausgelöst werden können. Schon längst weiß ich, dass die Berge mit unserem Inneren korrespondieren.

Für mich bedeuten die Berge nicht nur unermessliche Naturerlebnisse. Sie bieten auch wertvolle Möglichkeiten zur menschlichen Weiterentwicklung: Durch Reflexion, Inspiration und die Auseinandersetzung mit Grenzen und ihrer Erweiterung. Ich bin gespannt welche Welten sie mir noch eröffnen werden und ich freue mich auf meine nächsten Projekte.“